Kreislaufwirtschaft: Trend oder Wandel?

19. August 2025

Kreislaufwirtschaft: Trend oder Wandel?

Kreislaufwirtschaft @ Neuman Aluminium: Mehr als ein Trend! Recycling, Herausforderungen & Chancen für eine nachhaltige Zukunft.

Die Kreislaufwirtschaft hat sich in den letzten Jahren zu einem zentralen Thema in der Aluminiumindustrie entwickelt. Doch ist sie nur ein vorübergehender Trend oder tatsächlich ein echter Wandel? In diesem Beitrag beleuchtet unser Open Innovation Experte, Dr. Mario Kuss, die Vorteile der Kreislaufwirtschaft im Sinne von Nachhaltigkeit und Umweltschutz, aber auch die praktischen Herausforderungen bei der Umsetzung in der Aluminiumverarbeitung.

Vorteile der Kreislaufwirtschaft

Die Kreislaufwirtschaft zielt darauf ab, Ressourcen effizienter zu nutzen und Abfälle zu minimieren. Dies ist besonders wichtig in der Aluminiumindustrie, da die Herstellung von Primäraluminium sehr energieintensiv ist und erhebliche CO₂-Emissionen verursacht. Durch das Recycling von Aluminium kann dieser Ausstoß deutlich reduziert werden. Zudem wird weniger Bauxit, das Ausgangsmaterial für die Aluminiumproduktion, abgebaut, was die Umweltbelastung weiter verringert.

Ein weiterer Vorteil der Kreislaufwirtschaft ist die Reduzierung des Energieverbrauchs. Die Herstellung von recyceltem Aluminium erfordert nur etwa 5 % der Energie, die für die Produktion von Primäraluminium benötigt wird. Dies führt zu erheblichen Einsparungen und trägt zur Nachhaltigkeit bei. Allerdings kann der Bedarf an Aluminium allein durch Recycling nicht gedeckt werden. Es wird weiterhin primäres Aluminium benötigt, um die wachsende Nachfrage zu erfüllen und bestimmte Qualitätsanforderungen zu gewährleisten.

Verfügbarkeit von Aluminiumschrott

Im Kontext der steigenden Nachfrage von nachhaltigen Materialien ist auch die Verfügbarkeit von hochwertigem Aluminiumschrott ein limitierender Faktor. Viele Aluminiumprodukte haben im Durchschnitt eine längere Nutzungsdauer – denkt man beispielsweise an die Gebrauchsdauer eines Autos, eines Daches oder eines Küchengerätes. Das darin verarbeitete Aluminium steht dem Recyclingkreislauf also erst wieder nach einigen Jahren, bis Jahrzehnten zur Verfügung.

Hinzu kommt, dass sowohl die Produkte selbst als auch Aluminiumschrotte oftmals außerhalb Europas exportiert werden und somit der heimischen Verwertung entzogen werden.

Quelle: https://www.researchgate.net/figure/Share-of-primary-and-recycled-aluminium-through-2050-4_fig1_364109141

Industrieschrott versus Verbraucherschrott

Ein zentraler Unterschied in der Kreislaufwirtschaft liegt zwischen PIR (Post-Industrial Recycled) und PCR (Post-Consumer Recycled) Materialien. PIR-Materialien stammen aus industriellen Produktionsabfällen – etwa Verschnittreste oder Ausschussware – die noch nie beim Endverbraucher waren. Sie sind meist sauberer und einfacher zu recyceln. PCR-Materialien hingegen werden aus Produkten gewonnen, die bereits vom Endverbraucher genutzt und entsorgt wurden, wie etwa gebrauchte Aluminiumtuben. Diese müssen aufwändiger gesammelt, sortiert und aufbereitet werden, tragen aber entscheidend zur Reduktion von Deponieabfall und zur Schließung von Materialkreisläufen bei.

Bei Neuman Aluminium können wir nahezu all unsere PIR-Abfälle selbst recyclen und leisten somit bereits einen großen Beitrag zu unserer internen Recyclingquote. PCR-Materialien werden heute schon bei Neuman für unser patentiertes Vormaterial von Aerosoldosen und Tuben verwendet.

Herausforderungen in der Aluminiumverarbeitung

Trotz der offensichtlichen Vorteile gibt es in der Praxis viele Herausforderungen bei der Umsetzung der Kreislaufwirtschaft in der Aluminiumindustrie. Eine der größten Hürden besteht darin, sortenreinen Aluminiumschrott zu trennen. Nicht jedes Aluminium ist gleich Aluminium. Es gibt verschiedene Legierungen, die unterschiedliche Eigenschaften haben und daher getrennt recycelt werden müssen.

Ein weiteres Problem ist die Form des Aluminiumschrotts. Während feste Blöcke relativ einfach zu recyceln sind, stellen geschredderte Dosen eine größere Herausforderung dar. Nicht nur der Lack stört beim Schmelzen - auch die leichten Aluminiumbleche schwimmen auf der Aluminiumschmelze auf. Dies mindert die Effizienz des gesamten Prozesses. Zudem können Verunreinigungen im Schrott die Qualität des recycelten Aluminiums beeinträchtigen.

👉 Wie mit diesen Herausforderungen umgegangen werden kann und welche technologischen Fortschritte bei Neuman Aluminium umgesetzt werden, erfahren Sie in Teil 2 des Blogbeitrags.

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